Erschließung riesiger Dimensionen

Die Unternehmensgruppe Süß leistet Massenbewegungen im großen Stil

Ob das Logistik-Drehkreuz für DHL, der ICE-Bahnhof, das BMW- und Porsche-Werk in Leipzig: Keines der großen Bauvorhaben ging ohne die Unternehmensgruppe Süß über die Bühne. Die Süß Bau GmbH aus Taucha hat sich einen Namen gemacht in der Bewegung großer Massen innerhalb kurzer Zeit – und das über die Stadtgrenzen hinaus. So war der Erd- und Tiefbauspezialist etwa beim Bau des Telekom Rechenzentrums in Biere bei Magdeburg involviert oder für die Kliniken in Gifhorn und Salzgitter tätig. Gerade ist er wieder dabei, für den Sportwagenhersteller aus Zuffenhausen gewaltige Erdmassen umzuschlagen. In Summe soll er innerhalb von drei Jahren über eine Million Kubikmeter Erdbewegungen leisten. Damit das gelingt, unterstützt ihn eine Armada an CAT Baumaschinen bei der Flächenregulierung und der Erschließung.

Sie werden benötigt, um einen stabilen Untergrund zu schaffen und das Gelände vom Niveau her anzugleichen, weil hier Erweiterungsflächen für Neubauten vorgesehen sind. Aufgabe der Baumaschinenflotte ist der Materialabtrag, das Anlegen eines Feinplanums, der Umschlag inklusive Aus- und Einbau von Erdmassen, das Herstellen von Gräben und das Verlegen kilometerlanger Entwässerungsleitungen für Regen- und Schmutzwasser sowie von Schachtringen. Darüber hinaus gilt es, Regenrückhaltebecken zu schaffen.

2011 ging es mitten auf der sprichwörtlich grünen Wiese los. Erst erfolgten Rodungsarbeiten – Wurzelstöcke waren zu entfernen. Dann erfolgte der Oberbodenabtrag und parallel dazu wurden Baustraße angelegt. Während zwar die Hauptbaustraßen geblieben sind, müssen sich die restlichen Baustraßen permanent dem Baufortschritt anpassen. Die Baumaschinen sind mit stark wechselnden Bodenklassen konfrontiert. Weil der Boden nicht überall die erforderliche Tragfähigkeit aufweist und stark lehmhaltig ist, muss er gefräst und mithilfe einer Zement- und Kalkmischung stabilisiert werden, und zwar bis in eine Tiefe von 80 Zentimetern. Dabei wird hier viel Wert daraufgelegt, dass dies staubfrei erfolgt. Dazu hat der Betrieb eine eigene Technologie entwickelt, mit der die engen Terminvorgaben des Bauherrn umgesetzt werden können. So werden Kalkfräse und ein Bindemittelstreuer eingesetzt, wobei das Bindemittel so in den Boden gemischt wird, dass dies ohne große Staubbildung erfolgt und dass kein separates Streufahrzeug mehr nötig ist. Dann erst kann mit Boden auf das erforderliche Niveau aufgefüllt werden. Alleine zwischen 2011 und 2013 waren an Erdabtrag und -auftrag in Höhe von 430 000 Kubikmeter Massenbewegungen zu leisten. 2014 geht es um die Summe von 440 000 Kubikmetern und rund 190 000 Kubikmeter Oberboden.

Angesichts der Dimensionen sind gleich drei Bauleiter vor Ort, um die Abläufe zu managen und als Ansprechpartner Präsenz zu zeigen. 35 Mitarbeiter kümmern sich darum, dass die einzelnen Arbeiten fachgerecht umgesetzt werden und schaffen die Voraussetzung für die Erschließung riesiger Dimensionen. „Wir bewegen uns auf 40 000 Hektar Fläche, die wir bearbeiten. Das sagt eigentlich alles über die Größenordnung“, erklärt Geschäftsführer Thomas Süß. Zum Vergleich: Das Standardmaß für ein Fußballfeld umfasst 0,714 Hektar. Umgeschlagen auf das Baufeld würde der Aktionsradius, auf denen die Baumaschinen zugange sind, 57 142 Fußballfelder betragen.

Auf solche Massenbewegungen im großen Stil ausgelegt sind der Cat Kurzheckbagger 321CLCR, die Cat Kettenbagger 324ELN, 325DLN, 336DLN und 345, der Cat Radlader 950H, der Cat Mobilbagger M315D, die Cat Walze CS563E sowie die Cat Raupen D6N und D6K hier vertreten. In Dozer vom Typ D7E wurde extra bei Zeppelin angemietet. Somit konnte er mit den anderen Raupen dazu beigetragen, innerhalb von drei Monaten 180 000 Kubikmeter entsprechend den Höhenvorgaben einzubauen. „Der Einsatz der D7E, der Raupe mit dieselelektrischem Antrieb, ist aufgrund der Menge an Erdbewegung bedingt. Wir benötigen hier eine hohe Schubleistung im Abtrag“, erläutert Thomas Süß.

Während die D7E für die Grobarbeiten vorgesehen ist und Massen abschieben soll, übernehmen die beiden Modelle D6N und D6K die Feinarbeiten. Sie erhielten darum 3-D-Maschinensteuerungen von Sitech. „Damit wird auf das Niveau des Kanals und der Sohle für die Gründung eingemessen“, fügt Oberbauleiter Denny Gebhardt hinzu.

Aber auch Kompaktgeräte haben ihre Daseinsberechtigung, wie kompakte Cat Kurzheckbagger 308ECR und Radlader 906H, die den anderen Geräten zuarbeiten. Die Aufgabe, die auf den Mobilbagger zukommt: Er soll Steine lesen, die auf dem Gelände verteilt sind und die beim Abschieben des Materials durch die Raupen zutage treten. Die Cat Walze CS563E ist mit einem Plattenverdichter zugange, der die Tonschicht zur Abdichtung der Regenrückhaltebecken abwalzt und damit in der Tiefe nachverdichtet.

Um einen Auftrag in dieser Größenordnung stemmen und auf neuste Technik zurückgreifen zu können, hat das Unternehmen in ein umfangreiches Maschinenpaket bei der Zeppelin Niederlassung Leipzig und Eckard Zinke, Zeppelin Vertriebsdirektor von Sachsen und Thüringen, investiert. Darunter sind nicht nur Neumaschinen, sondern auch gebrauchte Geräte mit entsprechender Cat Garantie CCU.   „Der Maschinenpark ist eines unserer Aushängeschilder und zeichnet uns aus. Darum ist es wichtig, dass alle Geräte einen gepflegten Eindruck machen. Das registrieren Auftraggeber und Mitarbeiter, die sich dann mit der Firma identifizieren“, charakterisiert der Geschäftsführer die grundsätzliche Philosophie, die dahintersteckt.

Was das aktuelle Vorhaben auszeichnet, beschreibt er so: „Die Herausforderungen sind die riesigen Mengen, die wir ausbauen und auf entsprechendem Niveau wieder einbauen müssen. Doch ob wir die geforderte Leistung innerhalb der Frist umsetzen können, hängt sehr von der Witterung ab und die haben wir leider nicht in der Hand.“ Starkregen, wie er aufgrund des Klimawandels immer häufiger in Deutschland auftritt, hat schon das eine oder andere Mal das wieder zunichte gemacht, was das Baustellenteam samt seinen Baumaschinen bereits an Arbeit geleistet hatte. Und dann ging es wieder von vorne los. „Wir stehen hier in der Pflicht, den Termin zu halten und unsere Leistung fertigzustellen, denn andere Gewerke hängen mit ihrem Baufortschritt davon ab“, stellt der Firmenchef dar. Daher darf es eigentlich keinen Stillstand und schon gar keinen Maschinenausfall geben. Denn dieser würde im schlimmsten Fall Verzug der Arbeit bedeuten. Darum steht die Zeppelin Niederlassung Leipzig in ständigem Kontakt mit Thomas Süß und seinem Team und übernimmt anstehende Wartungsaufgaben, damit die Baumaschinen schnell wieder die Arbeit aufnehmen können. Weil die Unternehmensgruppe mit ihren Maschinen eine hohe Auslastung erzeugt, diese in kürzester Zeit viele Betriebsstunden anhäufen und man bundesweit agiert, spielt für Thomas Süß eine kurze Reaktionszeit im Service seiner Baumaschinen eine, wenn nicht gar die entscheidende Rolle. Weil Zeppelin durch seinen bundesweiten Service überzeugen kann, greift er immer wieder auf das Equipment von Cat zurück – und das seit 1990 – so lange arbeitet er schon mit Zeppelin zusammen. Der Startschuss der Zusammensetzung fiel in eine Zeit, als noch nicht jeder Baumaschinenhersteller und -lieferant in Ostdeutschland Fuß gefasst hatte. „Schritt für Schritt sind wir gewachsen“, so Thomas Süß über das Familienunternehmen.

Bauvorhaben wie solche Massenbewegungen rund um Leipzig ziehen andere Erweiterungsflächen und somit Erschließungen nach sich, auf denen sich Logistikunternehmen oder Zulieferer niederlassen. So geschehen auch am Containerbahnhof, an dem der Betrieb ebenfalls beteiligt war. Doch macht das Unternehmen keinen Unterschied, welcher Kunde zu ihm kommt: „Wer ein Pflaster auf einem Quadratmeter Fläche von uns anlegen möchte, ist bei uns genauso an der richtigen Stelle wie jemand, der das Zigfache davon in Auftrag gibt. Uns ist jeder Kunde willkommen“, meint Süß. Das erklärt sich daraus, dass das Unternehmen 1988 als ein Zwei-Mann-Betrieb entstanden ist. Dass die Firmengründung noch zu DDR-Zeiten durch seinen Vater Jürgen und ihm als 19-Jährigem erfolgte,   steht für mutiges Unternehmertum, das geholfen hat, sich zu einem Fachbetrieb mit 85 festen Mitarbeitern und drei Auszubildenden zu etablieren, der für Kommunen sowie die Privatwirtschaft tätig ist. Nachwuchssorgen hat der Firmenchef keine – auch mit Fachkräftemangel hat er weniger zu kämpfen – was nicht alle Betriebe der Branche von sich behaupten können: „Viele junge Leute schätzen es nach ihrer Ausbildung und ihrem Studium, bei einem Mittelständler anzufangen, weil unsere Entscheidungswege kurz sind und sie schnell selbstständig arbeiten dürfen, wenn sie sich bewährt haben.“ Dafür gibt es hier genug Aufgaben, etwa in der großflächigen Erschließung und Erdbewegung.

Deutsches Baublatt September/ Oktober 2014

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