Nichts ist selbstverständlich

Mit diesem Motto hat Thomas Süß – Bauunternehmer und Betreiber eines Yachthafenresorts – Erfolg

Thomas Süß ist eigentlich ein Glückspilz. Statt nach der Schule zu studieren, lernte er Ofensetzer und Fliesenleger – ein begehrter Beruf zu DDR-Zeiten mit den besten Verdienstaussichten. Es geht ihm gut. Der Vater macht sich 1988, noch zu DDR-Zeiten, mit einer Straßen- und Tiefbau-Firma selbstständig, das war damals nicht so einfach. Er überredete seinen Sohn mitzumachen und Thomas macht, was Vater sagt und ist damit schon vor der Wende selbstständig. Die Wende selbst erlebt er während seiner Wehrpflicht als Grenzer bei der NVA in Eisenach, wo es nach Mauerfall plötzlich nichts mehr zu bewachen gab. Er wird deshalb schon nach zwölf statt 18 Monaten wieder nach Hause geschickt. So viel Glück hat nicht jeder gehabt, aber Thomas Süß verlässt sich nicht auf das Glück.

Sein Lebensmotto lautet: „Nichts ist selbstverständlich!“ Und damit fährt er gut. Im Jahr 1990 hat die Firma neben Vater und Sohn fünf Mitarbeiter. Umsatz etwa 500.000 D-Mark. Heute beschäftigt Thomas Süß in seiner Gruppe 150 feste Mitarbeiter und macht einen Umsatz von rund 20 Millionen Euro. Aus dem einstigen Kleinunternehmen sind die Süß Bau GmbH, die BBI Service-Gesellschaft und das SBS Yachthafenresort Fleesensee entstanden. Nichts ist selbstverständlich. Nach Eintritt in die Firma des Vaters machte Thomas Süß eine fachspezifische Ausbildung als Fernstudium. Als sich sein Vater 2012 mit 68 Jahren aus dem Unternehmen zurückzog, führte Thomas Süß die Firmengruppe zu 100 Prozent weiter. Fast wie selbstverständlich. So einfach wie hier die Nachfolge geklärt wurde, soll es auch künftig gehen. Thomas Süß hat mit seiner heute 18-jährigen Tochter aus der geschiedenen Ehe vereinbart, dass sie zu seinem 50. Geburtstag, also in fünf Jahren, Bescheid gibt, ob sie die Nachfolge antreten will.

Der heute 45-Jährige hat klare Vorstellungen und ist erfolgreich. Große Fehler meint er nicht gemacht zu haben, und aus den vielen kleinen habe er gelernt. Seine Prinzipien sind Ehrlichkeit, Geradlinigkeit und Zuverlässigkeit im Großen wie im Kleinen sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen der Unternehmensführung und den Mitarbeitern. Ob er sich als ostdeutscher Unternehmer fühlt, kann er nicht sagen. Er ist Sachse und Leipziger, dazu steht er. Mit diesem Ossi-Wessi-Gerede will er nichts zu tun haben. Er sieht sich als Unternehmer in einer gesellschaftlichen Verantwortung, die sich aber vornehmlich auf seine Mitarbeiter, deren Familien und die Unternehmensstandorte bezieht. Mit den Erscheinungen, dass Leute nur noch Spaß anstelle von Verantwortung wollen, hat er ein Problem. Er ist eben Unternehmer.

Frank Nehring

Wirtschaft + Markt Das Ostdeutsche Unternehmermagazin Oktober/ November 2014

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